Milliardärin Claire Zachanassian trifft im kleinen Städtchen Güllen ein und bereitet dessen Einwohnerschaft eine seltsame Überraschung. So beginnt die Tragikomödie von Friedrich Dürrenmatt, welche das Theater auftAKT diese Tage im The Millers in Zürich aufführt.
Die verschrobene aber wohltätige alte Dame Claire Zachanassian könnte das verarmte Städtchen Güllen von seinem Elend erlösen. Das will sie auch, jedoch nur unter einer seltsamen Bedingung. Dabei geht es um Rache. Bald müssen sich alle Güllener mit der eigenen Moral und Schuld auseinandersetzen – und eine Entscheidung treffen. Das ist auf den Punkt gebracht die Handlung von Friedrich Dürrenmatts Theaterstück «Der Besuch der alten Dame», welches das Theaterensemble auftAKT vom Donnerstag bis Samstag, 13. bis 15. Juni, dreimal im Theater The Millers in Zürich-Tiefenbrunnen aufführen wird.
Die Handlung des Theaterstücks hat einen verzwickten Hintergrund, denn die alte Dame Claire Zachanassian hatte in ihrer Jugend eine Liebesbeziehung mit Alfred Ill, der jetzt ein angesehener Bürger von Güllen ist. Die Seniorin bietet der Stadt, welche sie mit viel Pomp besucht, eine Milliarde an. Allerdings fordert sie Gerechtigkeit für das Unrecht, das ihr widerfahren ist. In ihrer Jugend wurde sie von Ill schwanger, doch er verleugnete sie und sorgte dafür, dass bestochene Zeugen ihren Ruf und ihr Leben zerstörten. Ills Verrat führte dazu, dass Claire die Stadt verlassen musste und schliesslich eine Karriere als Prostituierte begann, bevor sie zu grossem Reichtum kam.
Auf die Entrüstung folgt ein Umdenken
Claires Bedingung ist brutal: Sie verlangt die Hinrichtung von Alfred Ill als Preis für die Milliarde. Die Stadt ist schockiert und lehnt das Angebot zunächst entrüstet ab. Mit der Zeit beginnt sich jedoch das Verhalten der Bürger zu ändern. Trotz ihrer anfänglichen Empörung beginnen sie, auf Kredit zu leben und teure Anschaffungen zu machen, im Glauben, dass die finanzielle Hilfe unvermeidlich ist. Alfred Ill erkennt die wachsende Bedrohung und versucht zu entkommen, aber die Stadtbewohner verhindern seine Flucht.

In seiner Aufführung von „Der Besuch der alten Dame“ stellt das Theaterensemble auftAKT seinem Publikum Fragen der Moral. Bild: instagram auftAKT
Dürrenmatt verwendet in seinem Klassiker, der 1956 uraufgeführt wurde, Elemente der Groteske und des Tragikomischen, um die absurden und oft düsteren Aspekte der menschlichen Natur zu betonen. «Der Besuch der alten Dame» ist ein vielschichtiges Werk. Es beleuchtet die dunklen Seiten der menschlichen Natur und die Verführbarkeit durch Reichtum und Macht – ein zeitloses Thema. Die Tragikomödie ist bis heute ein bedeutendes Stück der Weltliteratur und ein kraftvolles Beispiel für die dramatische Kunst des 1990 verstorbenen Dürrenmatts.
Drei Aufführungen des Ensembles auftAKT
Das Theater auftAKT führt das Stück dreimal auf. Die Hauptrollen besetzen Robin Schürch als Alfred Ill, Debra Fesslmeier als Bürgermeister und Lara Anderegg als Claire Zachanassian. In weiteren Rollen sind zum Beispiel Marc Maetz als Lehrer, Nicole Jessica Zahnd als Pfarrer, Reto Buchmann als Polizist sowie Nadine Mwingira als Hofbäuerin zu sehen.
Das Ensemble auftAKT besteht aus vierzehn Personen, also acht Frauen und sechs Männern. Regie führt Kristin Anderegg-Frizzoni. Als Autorin und Dozentin an der Musikschule Konservatorium Zürich hat sie ein gutes Gespür für schlummernde Talente, Dramaturgie und Ästhetik. Das Theater auftAKT ist in einer Theaterklasse für Erwachsene an der Musikschule Konservatorium Zürich entstanden. Heute produziert das Theaterensemble seine Stücke als gleichnamiger Verein selbst und ist das jüngste Mitglied des RVA Regionalverbands Amateurtheater Zürich-Glarus.
Die Premiere des Theaterstücks «Der Besuch der alten Dame» vom auftAKT am 13. Juni ist bereits ausverkauft, doch stehen noch zwei weitere Aufführungen am Freitag, den 14. Juni, und am Samstag, den 15. Juni an. Auf der Webseite des Theaters können die Tickets ab einem Preis von 27 Franken erworben werden. Die Aufführungen starten jeweils um 19:30 Uhr.