Einst wurden Moore bewusst ausgetrocknet, doch heute wissen wir um die Bedeutung dieses Lebensraums und schützen ihn umso mehr. Der Park Seleger Moor gehört zu den wichtigsten Hochmooren des Kantons Zürich und hat trotz aller Anstrengungen mit den typischen Problemen der Moore zu kämpfen.
Moore bilden für alle Naturbegeisterte eine abwechslungsreiche Landschaft zum Verweilen und Entdecken. Sie haben zudem eine bedeutende Funktion in der Natur als CO2-Speicher und stellen einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen dar. Doch haben die Moore in der Schweiz mit einigen Herausforderungen zu kämpfen – sie trocknen aus, leiden an Torfmangel und verbuschen.
Grund dafür ist, dass einst grosse Flächen von Moorgebieten auf der ganzen Welt und auch in der Schweiz ausgetrocknet wurden, um den Boden landwirtschaftlich zu nutzen. Heute wissen wir aber über die Bedeutung der Moore für die Umwelt Bescheid und schützen diesen Lebensraum umso mehr. Doch trotz des in der Verfassung garantierten Schutzes schrumpft die Fläche der Moorgebiete weiter, wie die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) festhält. Nur die Hochmoore im Mittelland gewinnen langsam wieder etwas an Feuchtigkeit als Folge von Massnahmen, um die Moore wiederherzustellen.
Ausgetrocknet und verbuscht
Das Austrocknen der Moore bedeutet eine enorme Belastung für die Umwelt, da Moore Kohlenstoff speichern. Dies geschieht, indem das Moor über Jahrtausende hinweg abgestorbene Pflanzen konserviert. Dadurch entsteht Torf, eine Art von Hummus. Wenn jedoch Sauerstoff an die Moorböden gelangt, entlassen sie den gespeicherten Kohlenstoff in Form von CO2 zurück in die Atmosphäre und belasten so das Klima.
Die Daten der 25 Jahre dauernden Moorüberwachung der WSL zeigen klar, dass die Moore heute nach wie vor austrocknen und zunehmend verbuschen. Die Ursache dafür sind vor Jahrzehnten angelegte Entwässerungsgräben, die Regenwasser sowie das gespeicherte Wasser aus den Mooren abfliessen lassen. Übrig bleiben trockene Böden, was eine Katastrophe für die einheimischen Moorpflanzen und Kleintiere bedeutet. Als Folge der Trockenheit haben Wetterschwankungen einen verstärkten Einfluss auf das Moor – stetiger Regen führt schnell zu Überwässerung und bereits kurze Trockenperioden bedeuten eine Herausforderung für das Moor.
Klimaschädlicher Torfabbau
Ein weiteres Problem, mit dem Moore zu kämpfen haben, ist der zwar günstige, aber sehr klimaschädliche Torfabbau – Torf ist die oberste Erdschicht des Moors. Wenn Pflanzen im Moor sterben, gleiten sie auf den Torfboden, der sie kompostiert und verarbeitet. Dabei wird CO2 von der kompostierten Pflanze freigesetzt und im Torf gespeichert.

Das Seleger Moor ist ein Erholungsort für alle Florabegeisterte – Fotoapparat nicht vergessen! Bild: Facebook Park Seleger Moor
Die Folge der Entwässerung und des Torfabbaus ist die Verbuschung, denn die austrocknenden Böden auf dem Moorgebiet erkämpfen sich Pflanzen, die es lieber etwas trockener haben, so wie grosse Bäume und Büsche. Diese neue Vegetation ist problematisch, da sie einheimische Moorflora und -fauna verdrängt.
Paradebeispiel Seleger Moor
Das Seleger Moor in Rifferswil ist ein Paradebeispiel für Moore, die mit gebietsfremden Pflanzen und Torfmangel zu kämpfen haben. Primär ist es die Trockenheit, die dem Hochmoor zu schaffen macht. «Aufgrund der alten Entwässerungsgräben in seiner Nähe verliert das Moor immer noch an Feuchtigkeit», sagt Silvan Fluder, Obergärtner am Seleger Moor. Mit ineinander verkeilten Holzplanken, sogenannten Holzspanwänden, können solche Gräben aber verschlossen werden. Da Hochmoore den grössten Teil ihrer Feuchtigkeit durch Niederschläge erhalten, werde das Regenwasser mit Dämmen zum Moor geleitet und versorge es langfristig mit Feuchtigkeit, so Fluder.
Doch wie kam es zum Torfmangel? «Während des Zweiten Weltkriegs wurde im Seleger Moor Torf abgebaut, um es als günstigen Heizstoff zu verwenden», erklärt der Obergärtner. Bis sich die Torfschicht vom angerichteten Schaden vollständig erholt, wird es mehrere Generationen brauchen. Die Torfschicht wächst horizontal und äusserst langsam – in rund 1’000 Jahren bis zu einem Meter an Torf.
Der Park Seleger Moor erstreckt sich über eine Fläche von zwölf Hektaren und beherbergt die umfangreichste Rhododendren- und Azaleensammlung der Schweiz. Einige Baumschulquartiere des Parks züchten verschiedene Rhododendronsorten und -arten und bieten sie zum Verkauf an. Weiter bietet der Park einen Schauplatz für verschiedene Events und Konzerte im «Kulturzelt», Pilates- und Yogaworkshops und vieles mehr.
Überlebenskämpfe im Pflanzenreich
Seit es die Entwässerungsgräben in der Umgebung des Seleger Moors gibt, habe sich die lokale Vegetation stark verändert, erklärt Fluder. Die üppige, abwechslungsreiche Pflanzenwelt im Seleger Moor und seiner Umgebung sei für ein Hochmoor untypisch. So wachsen in einem Moor in der Regel wenige Pflanzenarten, dafür aber sehr seltene und auf das Moor spezialisierte, die einen nährstoffarmen Boden benötigen.
Dafür zu sorgen, dass das Moor nicht von der neuen Vegetation okkupiert wird, gehört zu den Aufgaben des Obergärtners. Neuangesiedelte Pflanzen können die Vegetation einerseits stören, indem sie zu grosse Schatten werfen und so die kleineren Pflanzen dem Sonnenlicht berauben, das sie zum Überleben brauchen. Andererseits entwickeln sich manche Pflanzen so, dass sie derart viel Platz und Nährstoffe absorbieren, dass andere Gewächse nicht genug bekommen.

Der Moorteich mag friedlich erscheinen, doch die Pflanzen kämpfen hier lautlos um den besten Platz an der Sonne. Bild: zVg
Dazu gehört die Rotfichte, die in höheren Lagen beheimatet ist. Sie wurde von Menschenhand im Flachland angesiedelt, weil sie schnell wächst und gutes Bauholz liefert. Doch ist die Rotfichte im Moor kein angenehmer Nachbar – sie wächst hoch, schnell und wirft grosse Schatten, die den Pflanzen knapp oberhalb der Erdoberfläche das Sonnenlicht rauben.
Eine harmonische Vegetation
Sämtliche neuen Pflanzenarten aus dem Moor zu verbannen, sei aber nicht die Absicht, erklärt Silvan Fluder. So sind auch die meisten Arten von Rhododendren, das Wahrzeichen des Seleger Moors, weder heimisch noch schädlich für das Moor. Solange neuangesiedelte Pflanzen die Vegetation und das Moor selbst nicht stören, dürfen sie also im Seleger Moor bleiben und die Besucherschaft mir ihrer Blütenpracht erfreuen.
Um aufzuzeigen, wie das Moor ohne gebietsfremde Pflanzenarten aussehen würde, möchte Fluder in den nächsten Jahren ein Gebiet des Moors abschirmen. Dieser Bereich soll einen Teich erhalten und durch für das Hochmoor typische Pflanzen wie dem Wollgras beschmückt werden. Hier würde man die Natur sich so entwickeln lassen, wie sie es vor Jahrhunderten getan hat – ohne zugewanderte Pflanzenarten und direkte menschliche Eingriffe wie Entwässerung und Torfabbau.
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