Primatenforscherin Jane Goodall kommt an die Uni Zürich

Umweltaktivistin erzählt aus ihrem Leben

Die Forscherin Jane Goodall beschäftigt sich bereits seit 1960 mit Schimpansen und bereist die Welt, um Menschen zum Schutz der Tiere zu bewegen. Kommenden Sonntag wird sie an der Universität Zürich darüber sprechen, wie wichtig es ist, die Hoffnung trotz erschreckender Schlagzeilen nicht zu verlieren und selbst aktiv zu werden.

Wenn es Tarzans Freundin wirklich gäbe, würde sie Jane Goodall wohl sehr ähnlich sein. Die berühmte Schimpansenforscherin hat sich seit ihrem 27. Lebensjahr und in rund 60 Arbeitsjahren mit voller Kraft dafür eingesetzt, den nächsten Verwandten des Menschen vor dem Aussterben zu retten. Heute bereist die Engländerin die Welt, beleuchtet die Gefahren, denen Schimpansen ausgeliefert sind, und verbreitet Wissen über Umweltkrisen. Kommenden Sonntag, 10. Dezember, wird die Umweltaktivistin nun an der Universität Zürich auftreten. Von 14:30 bis 16:30 Uhr wird sie am Standort Irchel von ihrer Arbeit erzählen und erläutern, wie wichtig es ist, dass jede und jeder Einzelne die Hoffnung nicht verliert und aktiv wird.

Längst weltbekannt, hat Goodall Pionierarbeit im Bereich der Verhaltenswissenschaften sowie der primatologischen Feldforschung geleistet. Ihr erstes Einsatzgebiet war Gombe in Tansania, wo sie im Alter von 26 Jahren in die damals noch weitgehend unerforschte Welt der Schimpansen eintauchte. Durch ihr Tun hat sie den Begriff des Artenschutzes ausgeweitet, sodass nun auch das Wohl der lokalen Bevölkerung sowie der Schutz der lokalen Umwelt Teil davon sind.

Forscherin ohne Vorbildung

Bereits als Kind hatte Goodall ein Herz für Tiere und träumte davon, sie in Afrika zu beobachten und ihre Beobachtungen in Büchern festzuhalten. Nach ihrer Ausbildung zur Sekretärin 1957 wurde sie von einer ehemaligen Klassenkameradin eingeladen, nach Kenia mitzukommen. Dort traf die junge Frau auf den Paläoanthropologen Louis Leakey, der moderne Menschenaffen beobachtete, um Rückschlüsse auf die gemeinsamen Vorfahren der Menschen und Affen zu ziehen. Dank ihrem grossen Interesse an Wildtieren und ihrer unermüdlichen Geduld durfte Goodall Studien über Schimpansen durchführen, obwohl sie keine akademische Vorbildung dafür hatte.

Goddall als junge Frau im Camp neben Schimpansen

Obwohl sie keine ausgebildete Forscherin war, hat Jane Goodall zahlreiche wichtige Beobachtungen bezüglich des Verhaltens von Schimpansen gemacht. Bild: Facebook Dr. Jane Goodall

1960 kehrte sie für ihre erste Studie in Tansania nach Afrika zurück, doch erst nach sechs Monaten, sie die Schimpansen nur gehört, jedoch nie gesehen hat, gelang ihr der Durchbruch. Goodall konnte beobachten, wie ein Schimpanse einen Zweig in den Eingang eines Termitenhügels steckte, um ihn dann vorsichtig herauszuziehen und die am Zweig hängenden Termiten abzulecken. Dies war eine bahnbrechende Beobachtung, denn bisher galt der Werkzeuggebrauch als das entscheidende Merkmal, welches den Menschen von Tieren unterschied.

Ein Leben für und mit Schimpansen

Diese Beobachtung verschaffte Goodall mehr Forschungsgelder von der National Geographic Society, die auch den Tierfilmer Hugo van Lawick – den zukünftigen Ehemann der Forscherin – nach Tansania sendete, um eine Reportage über die junge Schimpansenforscherin zu machen. Daraufhin wurde Goodall auch ausserhalb von Wissenschaftlerkreisen berühmt, erlangte die Doktorwürde der Cambridge University, ohne davor einen Bachelor gemacht zu haben, forschte 26 Jahre lang in Gombe und schrieb ihr Wissen, wie sie es sich erträumt hatte, in Büchern nieder.

Durch ihre Tierliebe wurde Goodall mit den Jahren auch zur Umweltaktivistin und gründete das Jane Goodall Institut zur Arten- und Tierschutzorganisation, welches heute unter anderem verschiedene Schutzprojekte in sieben afrikanischen Ländern betreut. Mittlerweile ist Jane Goodall 86 Jahre alt und bereist die Welt mit der Mission, möglichst viele Menschen für den Umweltschutz zu begeistern.

Für die Veranstaltung am Sonntag sind die meisten Tickets bereits ausverkauft, doch bleiben noch einige Karten für Plätze im benachbarten Saal, wo eine Live-Videoübertragung zu sehen sein wird. Diese können für 10 Franken über Eventfrog erworben werden.

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3 Kommentare

Tamara Tama 6. Dezember 2023 - 17:25

Da könnte sie sich ja mal für die Affen an der Uni einsetzten, die für Tierversuche missbraucht und gequält werden.

Antwort
michael altherr 9. Dezember 2023 - 12:58

„Affen melken“ und Hoffnung verkaufen, um zu inspirieren, aktiv zu werden…
– während unter unseren Augen, der Flughafen Zürich, beaufsichtigt von Matthias Lörtscher, CITES, seit Jahrzehnten als Bushmeat-Drehscheibe dient…:

„… Nach dem Erscheinen der Studie veröffentlichte Tengwood zusammen mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) eine Broschüre, die Zollbeamte darin schulen soll, Bushmeat am Aussehen zu erkennen. Sie enthält Bilder gekochter und geräucherter Stücke von Primaten, Schuppentieren und Nagern. Auf die Frage, was sich seitdem getan habe, findet Tenger klare Worte: «Nichts. Anders als bei Waffen- oder Zigarettenschmuggel lohnt sich das Konfiszieren von Bushmeat für den Zoll nicht, weil es daran nichts zu verdienen gibt.» …“

https://www.nzz.ch/wissenschaft/bushmeat-auf-europaeischen-tellern-ld.1635746

http://www.karlammann.ch

Antwort
michael altherr 9. Dezember 2023 - 12:59

Tja, „moderation“ muss natürlich auch noch sein…

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