Das Jodlerherz schlägt in Zug

Rückkehr vom Eidgenössischen Jodlerfest

Nach einer pandemiebedingten Pause findet im Juni endlich wieder das Eidgenössische Jodlerfest statt – heuer mit der Stadt Zug als Gastgeberin. An der dreitägigen Veranstaltung werden Fahnen geschwungen, Alphörner geblasen und natürlich gejodelt. In Bezug auf den Verkehr orientiert man sich dabei am Konzept des ESAF 2019.

In Zug grassiert schon bald das Jodelfieber: Vom 16. bis 18. Juni findet rund um das Zuger Seebecken das 31. Eidgenössische Jodlerfest statt. «Traditionell, überraschend, vielfältig» lautet das Motto, womit die Vielfalt – der Mix aus Tradition und Moderne – Zugs ins Rampenlicht gerückt werden soll. Die Festlichkeiten mit Fahnenempfang, Wettvorträgen und Festumzug sollen Interessierte aus der ganzen Schweiz in die Kolinstadt locken.

Am Jodlerfest stehen dabei Brauchtümer und Traditionen im Vordergrund. Das Jodeln selbst ist im Alpenraum sowie in gewissen deutschen und österreichischen Regionen heimisch. Die Pflege des Jodels entwickelte sich im 19. Jahrhundert in Chören und auch in der kirchlichen, sakralen Volksmusiktradition. Wie genau es entstand, kann heute nicht mehr exakt rekonstruiert werden. Die frühesten Belege zum Wort «jodeln» stammen aus Franken und dem deutschsprachigen Donauraum des 17. und 18. Jahrhunderts, damals noch als Synonym für «johle ohne musikalische Bedeutung. Für Jodlerinnen ist allerdings das Jodeln eine sehr alte Sprache, um sich mit benachbarten Älplern und Gott zu verständigen. Gepflegt wird der Jodelgesang hierzulande auf zwei Arten: Jodellied und Naturjodel. Das Lied besteht aus drei Strophen mit anschliessendem Jodel im Refrain, während der Naturjodel eine Melodie ohne Text ist, die nur das Empfinden zum Ausdruck bringen soll.

Vom Alphornblasen und Fahnenschwingen

Am Jodlerfest treten Alphorn- und Büchelbläser im Duo, Trio, Quartett oder in einer Gruppe aus fünf oder mehr Bläserinnen auf und lassen sich dabei von drei Juroren bewerten. Auch diese Instrumente entstammen der Bergwelt; so sollen sie nach heutigem Wissensstand als Rufinstrument zwischen Almhirten – den Sennen – und der Talbevölkerung gedient haben. Die Büchel basieren wie das Alphorn auf dem Prinzip der Naturtrompete – Trompeten, die nicht mit Ventilen, Klappen oder Löchern zur Tonhöhenveränderung ausgestattet sind. Ein Büchel ist allerdings in drei nebeneinanderliegende Sektionen gefaltet, womit dessen Länge nur etwa 90 cm beträgt.

Alphornbläser Jodlerfest

Auch Alphornbläser werden beim Fest ihr Talent zur Schau stellen. Bild: Facebook Eidgenössisches Jodlerfest 2023

Im Gegensatz zu den anderen beiden Brauchtümern hat die dritte Disziplin des Jodlerfests, das Fahnenschwingen, einen urbanen Hintergrund und ist in den städtischen Zünften beheimatet. Dieses Brauchtum wurde im 19. Jahrhundert von zurückkehrenden Söldnern aus dem südlichen Europa in die Schweiz gebracht und wird seit 1910 durch den Eidgenössischen Jodlerverband gefördert. Bei dieser Disziplin werfen inmitten weniger konzentrierter Minuten Hunderte von Fahnenschwingern ihre Fahnen kunstvoll in die Luft, um sie daraufhin wieder am Griff aufzufangen. Auftreten können die Festschwinger hierbei entweder alleine oder im Duo, wo sie sich die Fahnen gegenseitig zuwerfen. Begleitet werden die Wettkämpfe von Alphornklängen.

Internationale Festspiele

Erwartet werden am Volksfest Jodlerinnen, Alphorn- und Büchelbläser und Fahnenschwingerinnen aus rund 500 Vereinen sowie Gäste aus aller Welt – unter anderem darf sich auf Jodlergruppen aus den USA, Kanada und Australien gefreut werden. Ein besonderes Augenmerk gilt dem 90-minütigen Festspiel am Sonntag mit über 1000 Mitwirkenden. Die Konzeption wurde vom Glarner Komponisten Christoph Walter sowie dem Dirigenten Marco Schneider übernommen. Moderieren wird das Spektakel der Moderator und gebürtige Emmentaler Nik Hartmann. Ins Festspiel werden kurze Reden, die Nationalhymne, eine Fahnenübergabe sowie der Dank am Herrgott eingebettet sein.

Traditionelle Jodlerkleidung

Traditionelle Jodlerkleidung und Trachten dürfen im Juni auch in Zug wieder erwartet werden. Bild: Facebook Eidgenössisches Jodlerfest 2023

Nebst dem Festspiel als Herzstück des Jodlerfests kann auch für den Rest des Festwochenendes ein dichtes Programm erwartet werden. Am Freitag und Samstag sieht es nach der offiziellen Festeröffnung sehr ähnlich aus: Gezeigt werden zu verschiedenen Zeiten abhängig der effektiven Anmeldungen diverse Wettvorträge im Jodeln, Alphornblasen und Fahnenschwingen. Freitags beginnen diese um 14 Uhr, samstags um 10 Uhr – jeweils bis 22 Uhr. Präsentiert werden sie in verschiedenen Räumlichkeiten der Stadt wie dem Theater Casino Zug, mehreren Kirchen wie der Kirche St. Michael, der Kantonsschule oder auch dem Fussballstadion.

Daneben sorgen auch diverse Events, ein Unterhaltungsprogramm sowie diverse Radio- und TV-Sendungen und der Festbetrieb in den Jodlerbeizli und an den Jodlerständen für Festfreude. Am Sonntag beginnt das Programm um 8:30 Uhr mit dem Empfang der Gäste. Später folgen das offizielle Festspiel zum Apéro für geladene Gäste und der Festumzug am Ende der Veranstaltung. Der Festbetrieb und die diversen Radio- und TV-Sendungen laufen dabei auch am letzten Tag wie gehabt bis zum Ende weiter.

Nachhaltig ans Jodlerfest

Das Thema Nachhaltigkeit wird am Jodlerfest einen hohen Stellenwert einnehmen. «Ein Anlass dieser Grösse hat immer Folgen für die Region, die lokale Gesellschaft und die Umwelt», meint dazu Andreas Lustenberger, Leiter Nachhaltigkeit des Organisationskomitees (OK). «Das Bedürfnis nach einer nachhaltigen Lebensweise ist in der Schweizer Bevölkerung bereits stark verankert und kontinuierlich steigend.» Das Thema sei dieses Jahr in der OK-Organisation so verankert worden, dass es auf Leitungsebene stets mitgedacht wird. Die Grundlagen wurden hierfür bereits beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2019 gebildet, bei dem Lustenberger ebenfalls als der «Grüne Mann» zuständig war. Dabei habe man bereits damals eine detaillierte Analyse der Emissionen über die gesamte Festdauer inklusive Auf- und Abbau erstellt.

Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen in dieser Grössenordnung hat das Jodlerfest in Zug den Vorteil, dass auf die bestehende Infrastruktur zurückgegriffen werden kann. Somit entstehen hier keine zusätzlichen Emissionen. Besucherinnen wird generell empfohlen, ausschliesslich mit dem ÖV anzureisen, denn dadurch, dass kein zusätzliches Parkangebot geschaffen wird, sind auch die Parkmöglichkeiten beschränkt. Zudem können Helfer des Festes sowie Besitzerinnen des «Eintrittstickets Vortragslokale» das ÖV-Angebot kostenlos nutzen.

Kirschtorte wird angeschnitten

Der Zuger Regierungsrat Stephan Schleiss ist OK-Präsident des Eidgenössischen Jodlerfests. Hier gönnt er sich ein Stück Kirschtorte in Andermatt. Bild: Facebook Eidgenössisches Jodlerfest 2023

Um möglichst wenig Abfall zu produzieren, wird ausserdem wo möglich mit einem Depotsystem und Mehrwegflaschen gearbeitet. Das OK verzichtet auch auf ein gedrucktes Festprogramm, womit tonnenweise Papier eingespart werden kann. Für die Verköstigung der Besucherinnen soll seitens der Gastrobetriebe im Jodlerdörfli das Fleisch möglichst von Zuger Metzgereien bezogen werden; daneben auch genügend vegetarische Verpflegungsmöglichkeiten angeboten werden. «In der gesellschaftlichen und ökonomischen Dimension der Nachhaltigkeit ist das OK bestrebt, die möglichen negativen Auswirkungen für die Anwohnerinnen und Anwohner möglichst tief zu halten und pflegt eine aktive Kommunikation dazu», erklärt Lustenberger.

Zug im Jodelfieber

Wer selber der Veranstaltung im Juni beiwohnen möchte, kann Tickets über die Vertriebskanäle des ÖV oder alternativ während des Festes vor Ort an den Infoständen oder bei den Vortragslokalen für einen Preis von 20 bis 40 Franken erwerben. Weitere Informationen sind unter jodlerfestzug.ch zu finden.

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